Vertigo - Aus dem Reich der Toten (Text als Demo)

San Francisco: Polizeidetektiv John "Scottie" Ferguson (James Stewart) verfolgt einen Verbrecher über die Dächer der Stadt, als er bei der Verfolgung über die Dächer an einer Regenrinne hängt und feststellt, dass er an Höhenangst (Vertigo) leidet. Bei dem Versuch, Scottie zu retten, kommt es zu einem tragischen Vorfall, bei dem ein Kollege (Fred Graham) zu Tode stürzt. Tief erschüttert und noch in der Genesungsphase beschließt Scottie, in den Ruhestand zu gehen, zumal er finanziell unabhängig ist. Seine Tage verbringt er häufig im Atelier seiner ehemaligen College-Freundin Midge (Barbara Bel Geddes), einer Werbegrafikerin, mit der er einst eine kurze Beziehung hatte. Unbemerkt von Scottie hegt Midge immer noch Gefühle für ihn. Auch Gavin Elster (Tom Helmore), ein alter Bekannter und mittlerweile erfolgreicher Reeder, tritt überraschend erneut in sein Leben.

Elster sucht den Kontakt zu dem ehemaligen Polizisten und bittet ihn bei einem Treffen in seinem Büro um Hilfe: Scottie soll Gavins Frau Madeleine (Kim Novak) beschatten, da Elster überzeugt ist, sie sei vom Geist ihrer Urgroßmutter Carlotta Valdes (Joanne Genthon) besessen – einer Frau, die einst Selbstmord beging. Scottie reagiert zunächst skeptisch und schlägt vor, dass Elster seine Frau besser einem Psychotherapeuten anvertraut, und rät Letzterem auch zu einer eigenen Behandlung. Dennoch erklärt er sich schließlich bereit, Madeleine zumindest flüchtig zu beobachten. Seine erste Gelegenheit dazu ergibt sich in einem Restaurant, wo Gavin mit Madeleine zu Abend isst und Scottie sie von der Bar aus betrachtet. Doch allein diese erste Begegnung mit der geheimnisvollen Frau verändert Scotties Leben auf eine Weise, die er sich nicht hätte ausmalen können…

Zwischen 1948 und 1958 arbeitete Alfred Hitchcock insgesamt viermal mit James Stewart zusammen, ebenso oft wie zwischen 1941 und 1959 mit Cary Grant. Seine Brillanz zeigte sich auf allen Ebenen, auch bei der Besetzung seiner Filme. In *Vertigo – Aus dem Reich der Toten* ist die Wahl der Schauspieler nahezu makellos, wenngleich die Frage aufkommt, ob Kim Novak tatsächlich so außergewöhnlich spielt, wie oft behauptet wird. Die Antwort lautet: Nein, nicht wirklich! Doch ihre Inszenierung durch Hitchcock ist derart meisterhaft, dass es letztlich keine Rolle spielt.

Ebenso gestattete sich Hitchcock Freiheiten, die anderen wohl verwehrt geblieben wären. So war James Stewart während der Dreharbeiten bereits 50 Jahre alt, Tom Helmore 54 und Kim Novak erst 25 – dennoch überzeugt die Chemie zwischen Scottie und Madeleine auf ganzer Linie. Auch Barbara Bel Geddes, die Midge verkörpert, war zu diesem Zeitpunkt 36 Jahre alt. Laut Handlung soll sie jedoch eine College-Freundin von John Ferguson und Gavin Elster gewesen sein, was sie um beeindruckende 14 bzw. 18 Jahre jünger machen würde als die beiden männlichen Charaktere. Und doch: Hitchcock gelingt es, dass solche Ungereimtheiten kaum auffallen.

Dieses Kunststück verdankt sich nicht nur seinem außergewöhnlichen Gespür für Dramaturgie, Kameraeinstellungen und Schnitttechnik. Hier verdient auch sein langjähriger Kameramann Robert Burks, mit dem Hitchcock ab 1951 zusammenarbeitete, besondere Erwähnung. Neben den scheinbar makellosen Farbkompositionen, die das sonnige Kalifornien darstellen, fallen bei genauerem Hinsehen die düsteren Seitengassen, schattigen Hausflure und tiefen Straßenschluchten auf – Symbolbilder für Scotties Höhenangst und innere Konflikte. *Vertigo – Aus dem Reich der Toten* lädt wahrlich dazu ein, nicht nur ein zweites, sondern auch ein drittes Mal angesehen zu werden. Der Film ist nicht nur ein Meisterwerk Hitchcocks, sondern zählt gleichzeitig zu den letzten großen Werken der klassischen Film-noir-Ära.

Bilder: Copyright by Paramount Pictures